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Erinnerungskarte Nr. 0017 · Beispielkarte
Karte · immer hier
Walter Berger
WALTER BERGER · 1928–2018
Schreiner · Vater · Großvater

Walter Berger

«Erst hör aufs Holz, dann sprich.»

Klaus Berger, Sohn
KI-Stimme · Art. 50 EU AI Act
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Nicht die Stimme von Walter Berger — ein Erzähler über ihr/sein Leben. Stützt sich nur auf das, was die Familie im Archiv hinterlassen hat.
Aus der Familie
Wenn es zu früh ist, über sie/ihn direkt zu sprechen — beginnen Sie mit der Geschichte der Familie.
Biografie

Ein Leben, erzählt in 7 Kapiteln.

Walter wurde im Mai 1928 in Zell am Harmersbach geboren — einer kleinen Schwarzwaldstadt mit Holzwerkstätten und einem Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert. Sein Vater Johann war Bäcker, seine Mutter Agnes Näherin. Walter war das jüngste von vier Kindern, ein stiller Junge, der mit acht Jahren schon kleine Pferde aus Lindenholz-Resten schnitzte.

Der Krieg kam 1944 ins Haus der Bergers. Johann wurde zum Volkssturm eingezogen und fiel irgendwo bei Breslau — das genaue Datum blieb unbekannt. Agnes brachte die vier Kinder allein durch den Winter 1944/45. Walter, gerade sechzehn geworden, versteckte sich vor den letzten Aushebungen im Keller der Mühle nebenan. Nach der Kapitulation ging er zum alten Schreiner Franz Hofer in die Lehre — für Essen und einen Platz am Ofen.

Drei Lehrjahre bei Hofer machten aus Walter einen Handwerker. 1948 erhielt er den Gesellenbrief. Der Wiederaufbau des Landes brachte Arbeit: das Wirtschaftswunder verlangte Treppen, Türen, Küchenmöbel. Bis 1952 hatte Walter eine eigene winzige Werkstatt in Triberg gemietet, im Halbsouterrain an der Hauptstraße.

Im selben Jahr 1952 heiratete er Else Braun, die Tochter des Lehrers im Ort. Ihr Erstgeborener Klaus kam ein Jahr später zur Welt. Dann Brigitte 1956 und Stefan 1962. Else führte Haus und Bücher, Walter die Werkstatt. Am Wochenende gingen sie zusammen in die Berge — Else mit der Thermoskanne, Walter mit dem Zollstock in der Tasche.

1966 fuhr die Familie für drei Wochen nach Florenz. Walter sah dort die geschnitzten Chorgestühle in Santa Croce. Nach der Rückkehr begann er, Küchenmöbel mit Schnitzwerk zu versehen: Weinranken, Hirsche, schlichte geometrische Muster nach altdeutscher Art. Kunden kamen aus Karlsruhe, Basel, einmal sogar aus Zürich. Die Werkstatt wuchs, zwei Lehrlinge kamen dazu.

1985 übergab Walter den Betrieb an seinen Sohn Klaus. Er blieb in derselben Werkstatt, arbeitete aber nur noch an dem, was er wollte — geschnitzte Figuren, Schatullen, Grabkreuze für den Triberger Friedhof. Else starb 2015 zu Hause, nach langer Krankheit. Walter arbeitete noch drei Jahre weiter: »Hände wissen, was zu tun ist, wenn der Kopf es nicht weiß.«

Er starb am 22. Oktober 2018 in seiner Werkstatt. Auf der Werkbank lag ein angefangener Hirsch aus Lindenholz, den er nicht mehr fertig gemacht hat. Klaus hat ihn nicht weitergeschnitzt. Die Werkstatt führt heute der älteste Enkel Matthias.

Lieblingssachen · 6

Jeder Satz beruht auf einer realen Geschichte — ohne Erfindung.

  1. Lindenholz-Schnitzerei
    Hirsche, Weinranken, Ahornblätter. Schnitzte jeden Abend nach dem Essen — zwanzig Minuten, nie länger.
  2. Johann Sebastian Bach
    »Das Wohltemperierte Klavier« — II. Teil. Hörte er sonntagmorgens auf dem alten Telefunken-Plattenspieler.
  3. Kaffee aus der Bialetti
    Die sechseckige italienische Espressokanne, 1966 aus Florenz mitgebracht. Hielt zweiundfünfzig Jahre.
  4. Der Weg durch die Wutachschlucht
    Sieben Kilometer entlang der Schlucht. Else mochte ihn nicht, ging aber mit. Achtmal im Jahr, gemeinsam.
  5. Der Geruch frisch geschnittener Linde
    »Nur die Linde riecht richtig. Eiche ist Sturheit. Kiefer ist zu offen. Linde ist ein Gespräch.«
  6. Die alte Festool-Bandsäge
    1968 gekauft. Lief bis zum letzten Tag.
Familie · 6

Die, an die man sich erinnert.

  1. Ehefrau, führte Haus und Bücher
    Elsa Berger (Braun)
  2. Sohn, übernahm die Werkstatt
    Klaus Berger
  3. Tochter, Krankenschwester in München
    Brigitte Zoller (Berger)
  4. Sohn, Architekt in Basel
    Stefan Berger
  5. Enkel, Handwerker der dritten Generation
    Matthias Berger
  6. von den drei Kindern
    +6
Stammbaum · 7 Personen und Karten

Wurzeln und Zweige.

Jeder Mensch in einer Familie kann hier seinen Platz finden: mit Stimme, Fotos und Geschichten. Aus einzelnen Karten entsteht nach und nach ein lebendigeres Bild der Familie: eine Mutter erzählt vom Vater, eine Schwester vom Bruder, und eines Tages kann ein Urenkel durch den Stammbaum gehen und sie alle hören.

5 Personen2 Generationen1 Ehen
Diese Generation · 2
Walter Berger
1928–2018
Diese Karte
ELSA
Elsa Berger (Braun)
Ehefrau, führte Haus und Bücher
Kinder · 3
BRIGITTE
Brigitte Zoller (Berger)
Tochter, Krankenschwester in München
KLAUS
Klaus Berger
Sohn, übernahm die Werkstatt
STEFAN
Stefan Berger
Sohn, Architekt in Basel
Enkel · 1
MATTHIAS
Matthias Berger
Enkel, Handwerker der dritten Generation
Was daraus wächst
Wenn auch diese Menschen ihren Platz bekommen, wird die Geschichte der Familie mit der Zeit voller und lebendiger.
Vollen Stammbaum öffnen
Geschichten · 6

Aus einem Leben.

Mein Großvater machte Kuckucksuhren — echte, schwarzwälder, kein Touristenkitsch. Jeden Morgen ging er als Erster in die Werkstatt, noch bevor die Türen des Hauses geöffnet…

Acht war ich, als ich meinen ersten Lindenklotz fand — mein Vater hatte ihn aus der Bäckerei gebracht, das Holz trocknete am Ofen. Linde ist leicht, warm, sie schneidet sich wie…

Ich klopfte im August 1945 an die Tür von Franz Hofer. Sechzehn Jahre alt, ohne Vater, ohne Geld, ohne Papiere. Hofer sah auf meine Hände — er sah immer zuerst auf die Hände — und…

Elsa wollte die Uffizien sehen. Wir gingen in Santa Croce hinein, weil es heiß war und sie sich setzen wollte. Ich schaute auf den Chor rechts vom Altar — Schnitzwerk aus dem…

Ich war siebenundfünfzig. Klaus war zweiunddreißig. Ich hatte es lange vorbereitet, aber immer einen Grund gefunden, es aufzuschieben. An jenem Oktobermorgen kamen wir wie üblich…

Elsa war seit dem Frühjahr krank. Bis September wussten wir, dass die Chemo nicht hilft. Sie weigerte sich, ins Krankenhaus zu gehen: »Ich will dort sterben, wo ich gelebt habe.«…

Fotos · 5

Bild.

Fotoalben · 1

Geschichten in Bildern.

Video · 1

In Bewegung.

Die Chorgestühle von Santa Croce — was das Handwerk veränderte
1966
Stimme · 3 Aufnahmen

Die Stimme — was wir als Erstes hören und als Letztes vergessen.

»Da bist du ja, Junge.«
Archivaufnahme · März 2017
0:00 / 1:18
Walter über Florenz
»Als ich diese Chorgestühle sah — da wusste ich, ich mache das Falsche.«
0:00 / 2:42
Briefe und Aufzeichnungen · 1

Worte.

Manuskripte · 3

Geschriebenes.

BriefWalter Berger19. Oktober 2013

Matthias. Heute hat Klaus dir den Schlüssel übergeben. Ich habe ihn vor achtundzwanzig Jahren auch übergeben — damals stand Klaus genauso auf der anderen Seite der Werkbank, wie du heute. Du bist jetz…

BriefFranz Hofer1. Oktober 1948
Gesellenbrief von Franz Hofer · Triberg 1948
📷 Original · für die volle Ansicht anklicken

Tischlermeister Franz Hofer · Triberg im Schwarzwald 1. Oktober 1948 Herrn Walter Berger. Hiermit bezeuge ich, dass Sie eine dreijährige Lehre in meiner Werkstatt von August 1945 bis August 1948 abg…