Walter wurde im Mai 1928 in Zell am Harmersbach geboren — einer kleinen Schwarzwaldstadt mit Holzwerkstätten und einem Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert. Sein Vater Johann war Bäcker, seine Mutter Agnes Näherin. Walter war das jüngste von vier Kindern, ein stiller Junge, der mit acht Jahren schon kleine Pferde aus Lindenholz-Resten schnitzte.
Der Krieg kam 1944 ins Haus der Bergers. Johann wurde zum Volkssturm eingezogen und fiel irgendwo bei Breslau — das genaue Datum blieb unbekannt. Agnes brachte die vier Kinder allein durch den Winter 1944/45. Walter, gerade sechzehn geworden, versteckte sich vor den letzten Aushebungen im Keller der Mühle nebenan. Nach der Kapitulation ging er zum alten Schreiner Franz Hofer in die Lehre — für Essen und einen Platz am Ofen.
Drei Lehrjahre bei Hofer machten aus Walter einen Handwerker. 1948 erhielt er den Gesellenbrief. Der Wiederaufbau des Landes brachte Arbeit: das Wirtschaftswunder verlangte Treppen, Türen, Küchenmöbel. Bis 1952 hatte Walter eine eigene winzige Werkstatt in Triberg gemietet, im Halbsouterrain an der Hauptstraße.
Im selben Jahr 1952 heiratete er Else Braun, die Tochter des Lehrers im Ort. Ihr Erstgeborener Klaus kam ein Jahr später zur Welt. Dann Brigitte 1956 und Stefan 1962. Else führte Haus und Bücher, Walter die Werkstatt. Am Wochenende gingen sie zusammen in die Berge — Else mit der Thermoskanne, Walter mit dem Zollstock in der Tasche.
1966 fuhr die Familie für drei Wochen nach Florenz. Walter sah dort die geschnitzten Chorgestühle in Santa Croce. Nach der Rückkehr begann er, Küchenmöbel mit Schnitzwerk zu versehen: Weinranken, Hirsche, schlichte geometrische Muster nach altdeutscher Art. Kunden kamen aus Karlsruhe, Basel, einmal sogar aus Zürich. Die Werkstatt wuchs, zwei Lehrlinge kamen dazu.
1985 übergab Walter den Betrieb an seinen Sohn Klaus. Er blieb in derselben Werkstatt, arbeitete aber nur noch an dem, was er wollte — geschnitzte Figuren, Schatullen, Grabkreuze für den Triberger Friedhof. Else starb 2015 zu Hause, nach langer Krankheit. Walter arbeitete noch drei Jahre weiter: »Hände wissen, was zu tun ist, wenn der Kopf es nicht weiß.«
Er starb am 22. Oktober 2018 in seiner Werkstatt. Auf der Werkbank lag ein angefangener Hirsch aus Lindenholz, den er nicht mehr fertig gemacht hat. Klaus hat ihn nicht weitergeschnitzt. Die Werkstatt führt heute der älteste Enkel Matthias.


